Die Emanzipation der Frau zur Faschingszeit ist älter als man es sich träumen lässt. So alt wie die Fastnacht selbst ist auch die "Weiberfastnacht". Die Hexen sind ja sowieso weiblich und was wäre denn ein Faschingsball ohne Frauen zum Flirten? Bei vielen Karnevalsvereinen gibt's Prinzessinnen auf dem Narrenthron an der Stelle eines "Prinz Karneval", aber auch zunehmend im Alleingang. Eine Prunksitzung ohne Gardemädchen und Tanzmariechen mit kurzem Rock und strammen Beinen kann man sich doch kaum vorstellen. Auch in der Bütt sind die Damen auf dem Vormarsch, sind sie mundwerklich dem Manne ja sowieso überlegen!
Was also wären die Fasent ohne Weiber – die OKG ohne ihre Frauen? Wenn man mal ein Resümee zieht, nicht nur über eine Kampagne, sondern über ein ganzes Jahr, so gibt es doch allerhand zu berichten über die Frauen der Odenheimer Karnevalsgesellschaft.
Fangen wir doch mal an im Sommer. Kaum sind die großen Schulferien beendet, so kann man im hiesigen Ortsblatt unter OKG-Info lesen: "Am kommenden Mittwoch treffen sich die OKG-Frauen zum Kostüme besprechen in der alten Schule".
Da also geht‘s schon los! Die ersten Ideen werden eingebracht, natürlich passend zum Motto der kommenden Kampagne. Je nach dem werden Geschichtsbücher und Bildbände gewälzt (siehe „Mittelalter“ oder „ Land der Pharaonen“), um dem Original möglichst nahe zu kommen. Die ersten Papierschnitte werden gefertigt und angepasst. Dazugehörige Utensilien zum Kostüm werden selbst gebastelt oder aus einschlägigen Faschingskatalogen bestellt. So viele Kostüme für so viele Frauen zu schneidern, das braucht natürlich seine Zeit. Meist bleibt es auch gar nicht nur bei den eigenen Modellen, denn die Männer und Elferräte oder das Männerballett brauchen auch noch das passende Outfit. Also wird genäht, was das Zeug hält, oft sogar bis kurz vor Beginn der Prunksitzung.
Dann wären wir also bei der Prunksitzung. Helfende Hände sind auch hier gefragt. Tischdecken werden aufgelegt, die Tischdekors gestellt. Schon nachmittags geht's los mit Brötchen für die Belegten richten. Kühlschränke werden eingeräumt, Gläser gespült – schnell nach Hause und duschen, Kostüme richten und einpacken – sind auch alle Gastgeschenke verpackt, genügend Blumensträuße bestellt? Wieder in die Halle – lächeln, Belegte verkaufen, Sekt ausschenken, Getränkewagen durchs Publikum kutschieren und nach dem Festprogramm alles wieder aufräumen, verstauen, säubern und spülen.
So oder ähnlich geht es auch zu beim Burgfest im August. Jeder, der schon mal Gast war, weiß, welche Menschenmenge da zu bedienen ist, sei es in der Küche, beim Ausschank oder auch schon vorher beim Vorbereiten der Speisen oder Dekoration des Burghofes. Kein Geburtstag, keine Hochzeit oder sonstige Fête von OKG-Mitgliedern, bei der die Frauen nicht die Hände im Spiel hätten. Sie backen die tollsten Kuchen, machen die verführerischsten Salate oder bereiten mal eben 200 Maultaschen für ein „Feschtle“ zu. Da wird dekoriert, gebastelt und zur Adventszeit mit dem Nachwuchs für die Weihnachtsfeier geprobt. Auch im Vorstand der OKG haben sich mittlerweile drei bewährte Damen etabliert. Während der Kampagne heißt es dann aber auch immer wieder: „Isch mei Hem gebigglt? Wu sin mei Orde? Hasch mei Hausschlissel g’sehe? Helf mol mein Schlips binne!" Und nach einer fastnächtlichen Sitzung: „Ich kumm glei, blos noch oi Bier! Ich fahr’ nemme, fahr Du!“
Ja – ja, die Männer!
Aber nicht nur Arbeit und Stress sind zu bewältigen. Die OKG-Frauen sind auch stets für einen Spaß zu haben. Man verbindet eben das Nützliche mit dem Angenehmen. Ganz selbstverständlich kommen im Anschluss des Nähabends das selbstgebackene Brot von Elsbeth und Büchsenwurst auf den Tisch und bei zwei, drei Flaschen Sekt kommen schon die nächsten zündenden Ideen. Alle paar Jahre unternimmt die Weiblichkeit der Odenheimer Karnevalsgesellschaft einen mehrtägigen Ausflug. Das letzte Ziel war Wien. Da gab es natürlich viel Kultur und noch mehr Sehenswertes. Doch beim abendlichen Essen oder beim Schlaftrunk hatten die Damen auch eine Menge Unsinn im Sinn. Schön war‘s!
Beim Ausflug in den Bayrischen Wald stellten neun der Damen sogar ihr tänzerisches Können unter Beweis. Aus einer Sektlaune heraus und weil ja sowieso alle gut drauf waren, formierten sie sich zum „Herbstlaubballett“ und zeigten eine kleine Showeinlage. Angespornt durch den Applaus und vor allem natürlich des Spaßes wegen, wurden noch einige andere Darbietungen einstudiert, die dann beim Ordensfest oder der Prunksitzung ihre Premiere hatten. Lautstarke „Herbstlaub“-Rufe sind bei den verschiedenen Faschingsbällen in der Mehrzweckhalle nicht zu überhören, am tollsten aber treiben es die OKG-Frauen samstags nach dem Rathaussturm.
Beim Zug durch die Gemeinde bleibt fast keiner verschont. Besonders auf die Odenheimer Geschäftswelt haben sie es dabei abgesehen. Der erste Anlaufpunkt ist die Zahnarztpraxis Tengler, da gibt‘s Gulaschsuppe. Vom Obst- und Gemüsestand vis-à-vis vom Bäcker Frank holten sie sich schon manchmal die ersten Ostereier. Eine längere Pause ist immer eingeplant bei Charly Plöger. Dort werden nicht nur die ersten Wehwehchen kuriert (ABC-Pflaster, Aspirin o. ä.), da gibt es auch ‚ne Menge Schampus. Zur Meterwurst von Robert Pfeiffer holt man sich die Weck vom „Beckerles-Beck“. Weiter geht‘s zum Geschenkhaus Bolich. Wer noch nicht hat, holt sich da den passenden Lippenstift zum Clownanzug und außer Sekt gab‘s da auch schon mal „Grummbieraworscht“ bei Friedel und Seppl in der Küche. Ein weiteres Highlight bei diesem Rundgang dürfte die Fête beim Frisörgeschäft Stricker/Baader sein. Meistens trifft man da auch die ersten Elferräte wieder. Die nächste Erfrischung wartet bei „Zagschte Bärbl“, danach finden sich alle, auch die Männer der OKG, beim Vesperstüble Köstel ein, um sich da nochmals zu stärken. Nach einer anständigen Brotzeit folgt der letzte Akt dieses anstrengenden Tages. Einmarsch von Elferrat und Garde in der Mehrzweckhalle. Selbstverständlich unterstützt von den Frauen der OKG.
Es gibt noch viele Dinge, die von den Weiblichkeiten der Odenheimer Karnevalsgesellschaft erledigt und bearbeitet werden. Dinge, die inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden sind, die man oft nicht mehr wahrnimmt. Nicht laut – nein, die Frauen der OKG arbeiten im Hintergrund, sie sind immer da und für alles aufgeschlossen. Der Erfolg ist ihre größte Freude. So sind sie halt.